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18.02.2010

Spielzeug Funkerberg Karneval Zum politischen Aschermittwoch präsentierten Lokalpolitiker ihre Visionen und lachten mit dem Publikum – und über sich selbst

Zum Karneval steigen die Politiker in die Bütt und reißen Witze. Diesmal nahmen sie sich Hartz IV, S-Bahn-Chaos und Uckley vor.

Von Konrad Daubek

KÖNIGS WUSTERHAUSEN „In den Krankenhäusern werden bei den vielen Knochenbrüchen diesen Winter die Metallplatten knapp. Deswegen könnte man Hartz-IV-Empfängern, die Edelmetall im Körper haben, als Ausgleich die Leistungen kürzen – um den Gips zu bezahlen.“ Nein, es handelt sich bei diesem Plan nicht um die nächste Offensive Guido Westerwelles in der Sozialstaats-Debatte, sondern glücklicherweise nur um einen der vielen Späße beim politischen Aschermittwoch in Königs Wusterhausen.

Kurz vor der Fastenzeit wollte man es noch einmal richtig krachen lassen. Stadtpolitiker verteilten verbale Seitenhiebe. Den ersten Applaus erntete jedoch Organisator Georg Dinter vom katholischen Jugendklub Profete. Er verkündete, ihm sei eine CD mit sensiblen Daten über Königs-Wusterhausener zugespielt worden, die beim Einkaufen fremd gegangen sind. „Es handelt sich dabei um Kunden des A10-Centers in Wildau“, sagte Dinter mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Die rund 40 Gäste lachten laut auf. Der heimliche Wunsch von Königs Wusterhausen, das reiche Wildau einzugemeinden, kam ebenfalls zur Sprache.

Frithjof von Rottkay (Bürgerbündnis) vergnügte das Publikum mit umgedichteten Strophen eines schwäbischen Eisenbahnliedes. Er zog über die löchrigen Straßen her und nahm die Probleme beim S-Bahnverkehr aufs Korn. Ludwig Scheetz (SPD) und Oliver Kanthak (Grüne) traten zusammen auf und karikierten in ihren lustigen Reimen die Streiterei um die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals und das Sportzentrum Uckley. Das Publikum zollte Applaus und sang zwischen jeder neuen Strophe den Karnevalstusch.

RAIMUND TOMCZAK (FDP) trug ein T-Shirt mit der Aufschrift „Kernkraft – ja sicher!“ – auch sein Auftritt war voller Energie. Er sprang mit seiner Gitarre in die Bütt. In einem Lied besang er den glücklichen Stadtkämmerer, der sich die Hände reibt, wenn bei der bevorstehenden Sperrung der Bahnlinie täglich Tausende Pendler ihr Auto falsch parken. „So kann man auch Haushaltslöcher stopfen“, erklärte TOMCZAK.

Damit meinte er Jörn Perlick, der Bürgermeister Lutz Franzke an diesem Abend vertrat. Der freue sich auch über Bußgelder von Bürgern, die ihrer Räumpflicht nicht nachkämen, stichelte TOMCZAK weiter. „So mancher Fußgänger fällt deshalb bei Eis auf die Schnauze.“

Den ehemaligen Bürgermeister Stefan Ludwig (Linke) nahm er ebenfalls aufs Korn. „In Königs Wusterhausen gab’s kein Cash-Flow, jetzt probiert er’s in Frankfurt (Oder)“, sang TOMCZAK in Anspielung auf Ludwigs Bürgermeister-Kandidatur in der Kleiststadt. Der Linkspolitiker stieg später selbst in die Bütt und erzählte dem Publikum von den guten Aussichten für die rot-rote Landesregierung nach der aktuellen Stasi-Debatte. „Nach dem Start kann es gar nicht mehr schlechter werden“, sagte der Landtagsabgeordnete selbstironisch. Danach rechnete er auf witzige Weise vor, wie oft der Haushalt seines ehemaligen Regierungsgebietes Königs Wusterhausen in das Haushaltsloch passen würde, dass in Frankfurt (Oder) klafft. Einen guten Rat hatte er noch für die Wildauer Nachbarn. „Kommt zu uns, bevor wir zu euch kommen“, rief Ludwig ins Publikum.

Klaus Schneider (CDU), der sich zur Feier des Tages einen Schnurbart angeklebt hatte, nahm die Zuhörer mit auf eine bejubelte Entdeckungsreise durch sein Lexikon von Königs Wusterhausen.

Beim Buchstaben „P“ zum Beispiel sagte er: „Wenn Philister und Propheten mischt, dann entsteht der Runde Tisch.“ Bei „F“ wie Funkerberg stellte er seine Zukunftsvision des stadtgeschichtlich so bedeutenden Hügels vor. Schneider kam zu dem Schluss, dass hier am besten eine Kneipe entstehen müsse, wo echte Demokratie am Stammtisch gelebt werde.

Damit schien er die gleiche Idee wie Organisator Georg Dinter gehabt zu haben, denn dieser betraute die Politiker noch mit einer besonderen Aufgabe: Sie sollten einen provisorisch errichteten Funkerberg mit bunten Legosteinen bebauen. Die Zuordnung fiel nicht schwer. Der Funkerberg der Grünen soll ein Naturlehrpfad werden. Der FDP-Mann baute einen großen Turm, auf dem ein Mittelständler thront. Der Linke baute eine Schwimmhalle mit rotem Dach. Und der SPD-Genosse verwirklichte seinen Traum vom Kulturzentrum.



Bei Bier, Schmalzstullen und Gurke klang der Abend gemütlich und versöhnlich aus.

Quelle: Märkische Allgemeine, Dahme Kurier, 18.02.2010