**Die Beatles sind das größte Musikphänomen der Moderne.
2010 jagt ein Jubiläum das andere. Zeit für RAIMUND
TOMCZAK, in schönen Erinnerungen zu schwelgen.
Von Frank Pechhold
ZERNSDORF Beatles-Platten waren in der DDR rar wie Goldstaub. Wer seltene, im
Westen gepresste Scheiben abstauben wollte, musste viel Geld hinblättern. So
wie RAIMUND TOMCZAK.
Im Partykeller hütet der Zernsdorfer seinen kleinen
Goldschatz.
„The Beatles Collection“
steht in goldenen Buchstaben auf der Hülle aus blauem Karton. „Die habe ich
Anfang der 80er Jahre von einem Kumpel gekauft, der dringend Geld brauchte.“
Nach langen Verhandlungen einigten sich beide auf 1500 Ost-Mark. „Da hat meine
Frau natürlich erst ein bisschen getuttert.“ Aber
bald war der Ärger verflogen. Fortan gehörten die auf Vinyl gepressten Fab Four zur Familie.
Nur ein einziges Mal borgte TOMCZAK die Hülle aus.
Erst vor wenigen Wochen durfte sein Sohn in aller Ruhe reinhören. „Einige
Aufnahmen sind noch in Mono, also echt spannend.“ Behutsam öffnet der
63-Jährige die Hülle, nimmt ein kratzerfreies Album heraus, legt es auf den
Plattenspieler, senkt die Abtastnadel ab. Flehentlich hallt die Bitte „Please, please me“ aus den Boxen.
Diesen Song hatte schon TOMCZAKs
erste, 1964 in Berlin gegründete Gruppe drauf. Damals schossen Beat-Bands wie
Pilzköpfe aus dem ostdeutschen Boden. TOMCZAKs
Formation nannte sich in Anlehnung an einen Modetanz Die Tamoreés:
schicke Klamotten und Gitarren. „Wir sahen aus wie große brave Jungs und wurden
sogar als beste Nachwuchsband in Berlin-Treptow ausgezeichnet.“
Das sprach sich bis nach Königs Wusterhausen herum. Im Saal des Bahnhofshotels
spielten Die Tamoreés im Juli 1966 auf dem Ball der
jungen Neuerer. Wie gewohnt wollte die FDJ Lehrlinge und junge Arbeiter aus
Betrieben für pfiffige Ideen auszeichnen. Aber dazu kam es nicht. Weil die
Gruppe kräftig einheizte, gerieten die Gäste in Rage und pfiffen die Redner von
der Bühne. Die Tamoreés spielten weiter, fuhren nach
Hause – und erhielten sechs Wochen Auftrittsverbot.